Read Brennender Zaster (WAT) by Ricardo Piglia Online

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Das Geschehen ist rasant Vier Verbrecher mit engen Verbindungen zu Polizei und Politik rauben einen Geldtransport aus, rasen durch Buenos Aires und schie en auf alles, was sich bewegt Sie entkommen ber den R o de la Plata nach Montevideo, verschanzen sich dort in einer Wohnung und werden von der Polizei sechzehn Stunden lang belagert Diese von Radio und Fernsehen bertragene Belagerung steuert unweigerlich auf ihr ungeheuerliches Ende vor den Augen einer fassungslosen Zuschauermenge zu Piglia erz hlt in Brennender Zaster eine wahre Geschichte und macht daraus einen packenden Roman, der als Verfilmung mit einem Goya ausgezeichnet wurde....

Title : Brennender Zaster (WAT)
Author :
Rating :
ISBN : 9783803126351
ISBN13 : 978-3803126351
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : Verlag Klaus Wagenbach Auflage 1 27 April 2010
Number of Pages : 192 Seiten
File Size : 876 KB
Status : Available For Download
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Brennender Zaster (WAT) Reviews

  • Bücherkeule
    2018-12-07 20:33

    Der sehr guten Rezension der Neuen Zürcher Zeitung, die sich auf dieser Buchseite findet, ist nur noch wenig beizufügen. 'Brennender Zaster' ist ein in fast atemlosen Tempo erzählter Roman über einen Geldraub aus dem Jahr 1965, der mit einem Blutbad beginnt und in einem Blutbad endet. Packend ist der Roman, weil er in raffinierter Montagetechnik erzählt ist: Fast wie in einem Film werden die Szenen der eigentlichen Handlung mit Innenperspektiven und Erinnerungen der Handelnden in rascher Folge übereinandergeblendet. In Rhythmus der sich beschleunigenden Jagd auf die Verbrecher taucht der Leser in deren Vorgeschichten ab, in denen das ganze Elend psychisch Labiler in einer unverständigen Umwelt aus der Gosse ans Tageslicht kommt. Diese Passagen sind verstörend und packend zugleich. Handlung und Erinnerung laufen schliesslich im grossen Showdown zusammen, als die in einer Wohnung von der Polizei belagerten Gangster eine letzte Orgie aus Drogen und Gewalt feiern, bei der auch der 'Zaster' verbrannt wird, bevor sie abgeschlachtet werden. Wie das übrige Material sind die Gespräche der Gangster auf originalen Unerlagen des Falls abgestützt. Die geschickte multiperspektivische Verschränkung von Handlungs- und Erinnerungsebenen macht den erzähtechnischen Wert des Romans aus.Leider ist die Übertragung ins Deutsche nicht vollkommen befriedigend. Die Gangstersprache, die den Protagonisten in den Mund gelegt wird, wirkt im Deutschen veraltet. Bereits in den 60er Jahren dürfte in einschlägigen Kreisen eine andere Sprache verwendet worden sein. Für eine moderne Übersetzung ist die Sprachwahl auf alle Fälle unangemessen.'Brennender Zaster' ist ein Roman für alle, die sich der Faszination des Film Noir nicht entziehen können. Er ist wegen seiner temporeichen Erzählweise ein wohltuender Ausgleich zu den Romanen aktueller Kriminalschriftsteller, die ihre Handlungen (und Gesellschaftsanalysen) über hunderte von Seiten erstrecken. Es geht auch kurz, knapp und dennoch treffsicher. Wie in 'Brennender Zaster'.

  • Wilfried.John
    2018-12-01 19:30

    Der Autor ist in Deutschland noch kaum bekannt, auch wenn mittlerweile ein paar wenige seiner Werke in deutscher Sprache vorliegen. Fast fürchte ich, dass das bisher Übersetzte ihn in eine bestimmte Schublade stecken will... er aber ist mehr als eben ein Krimiautor. Nichts desto trotz möchte ich einen Krimi von ihm vorstellen... in der Hoffnung, dass man mit der Zeit erkennt, dass er mehr ist. Das Buch um das es im Folgenden gehen soll ist „Brennender Zaster“. Im Nachwort zu seinem Roman schreibt RP, dass er versucht habe, die stilistischen Eigenheiten und den (wie Brecht es nannte) „metaphorischen Gestus“ der sozialen Erzählungen aufrecht zu erhalten, deren Thema die illegale Gewalt sei. Und allein die Verwendung des Begriffs „Illegale Gewalt“ evoziert, dass es seiner Meinung nach wohl auch „Legale Gewalt“ gibt... und diese Gewalt ist ebenso tödlich, wie mitunter ungerechtfertigt. Dieses Buch, das erste das ins Deutsche übersetzt wurde, steht sozusagen in direkter Linie zu seinem zuvor erschienen Buch „Künstliche Atmung“, dass seit seinem Erscheinen in Argentinien vor 20 Jahren schon in ganz Amerika ein Klassiker geworden ist.Diese direkte Linie wird durch den Protagonisten hergestellt: Emilio Renzi. Er ist wie ehedem Journalist in der argentinischen Hauptstadt. Auch thematisch haben die beiden Bücher gewisse Gemeinsamkeiten, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so erscheint. In „Brennender Zaster“ geht es vordergründig um einen authentischen Kriminalfall, der sich zwischen dem 27. September und dem 6. November im Jahre 1965 in Buenos Aires zutrug. RP schreibt in seinem Nachwort – in dem auch die diversen Quellen genannt werden, aus denen er die Fakten für den Roman bezog – selbst, dass er kurze Zeit nach dem Ereignis eine Betroffene anlässlich einer Zugfahrt kennen gelernt und anhand deren Erinnerungen einen ersten Romanentwurf abgefasst habe. Erst 1995 greift er die Rohfassung wieder auf und schreibt sie auf der Basis umfangreicher Recherchen und unter den Einflüssen der aktuellen argentinischen Lebensumstände zu dem endgültigen Werk um.Wenn ich sage, dass es sich bei dem angesprochenen Kriminalfall um einen handelt der sich wirklich zugetragen hat, dann muss ich auch sagen, dass Figuren dieses Romans ebenfalls authentisch sind – ebenso authentisch wie die Geschichte die erzählt wird. Und wirklich, man kann die Fakten in den offiziellen Akten nachlesen: Im September 1965 wurde in Buenos Aires am hellen Tage ein Geldtransport überfallen. Es floss viel Blut und es gab viele Tote. Die Gangster nahmen keine Rücksicht auf irgendwen... so starben auch unbeteiligte Passanten, sogar ein sechsjähriges Kind. Dubiose Auftraggeber hatten es, mittels der schwerbewaffneten Vollstrecker, auf kommunale Lohngelder abgesehen.Es mussten interne Informationen geflossen sein und so war anzunehmen, dass mindestens eine lokalpolitische Größe der Drahtzieher im Hintergrund sein musste. Natürlich mischten auch korrupte Polizisten bei diesem Spiel mit. Mit von der Partie war auch eine ominöse Figur auch dem politischen Untergrund, der damals für Peron agierte. Nur so ist hinlänglich erklärbar, dass den Gangstern die Flucht gelang, die sie zunächst quer durch Buenos Aires und dann auf abenteuerliche Weise bis nach Montevideo/Uruguay führte. Es lief allerdings nicht ganz wie vereinbart... denn mittlerweile hatten die Gangster beschlossen, dass sie – da sie nun schon mal die Drecksarbeit gemacht hatten und auf der Flucht waren – die Beute nicht teilen wollten. Dieser Entschluss sollte ihr Schicksal besiegeln.Schon zu diesem Zeitpunkt fühlt man sich eher eine äußerst packende Reportage lesend, denn bei einem Kriminalroman. Und RP treibt es noch weiter auf die Spitze, denn sogar ein Teil der im Buch wiedergegebenen Gespräche der Gangster sollen von der Polizei abgehört und aufgezeichnet und somit im Roman authentisch wiedergegeben sein. Der ganze Roman erweckt ob der minutiös verzeichneten Uhrzeiten und aus der Wirklichkeit entliehenen Namen, der Exaktheit der beschriebenen Situationen, der Genauigkeit bei der Beschreibung der Wege und der scheinbar nebensächlichen Vorkommnisse den Eindruck einer soliden Dokumentation... wobei allerdings auf Verherrlichung a la Bonny and Clyde verzichtet wird.Dabei ist die Sprache aber nicht die einer Dokumentation, sondern die überbordende Sprache lateinamerikanischer Romane. Die Flucht ist ein blutiger Akt, Leichen säumen den Weg der Bande und es kommt zum Showdown in einer Wohnung Montevideo, als die Gangster in eine von der Polizei gelegte Falle gehen. Nun, ich bin eigentlich kein Leser der solche gewaltdarstellenden Szenen sonderlich gerne liest, es genügt mir im Grunde die Andeutung und meine Phantasie besorgt den Rest... aber die Schilderung der letzten Szenen dieses wahnsinnigen Wehrens der Gangster in einer von der Polizei belagerten Wohnung sind mindestens fesselnd.Die Verzweiflung dieser waffenstarrenden Desperados, die sich in dieser Wohnung in Montevideo vor einer nicht minder waffenstarrenden Polizei verschanzt haben und die sich vor sich selbst hinter Unmengen von Kokain und Speed verschanzen, ist so eindringlich, dass es fast weh tut. Ihnen ist klar, dass es kein Entkommen geben wird und sie wollen ihre Haut so teuer wie möglich verkaufen. Sie schießen wahllos aus den Fenstern, töten noch mehr unbeteiligte Menschen... dennoch halten sich Schaulustige und vor allen Journalisten vor dem Haus auf und gieren nach dem was ihnen da geboten wird. RP lässt die Banditen reden... und in der Erwartung des Todes, berauscht und wahnsinnig vor Angst, auf einem Horrortrip ohne Ausweg erzählen sie sich ihre Geschichten; die Bandbreite der lateinamerikanischen Realität menschlicher Beziehungen kommt zum Vorschein und eine nicht minder realistische Innenwelt der Menschen unter diesen Verhältnissen.RP zeigt was die Verhältnisse aus den Menschen macht und was diese Produkte der Verhältnisse mit den Verhältnissen machen und er versucht trotz der üppigen Sprache und trotz der sich überschlagenden Ereignisse kühl zu erzählen... so kommt, meiner Meinung nach, erst gar nicht der Verdacht auf, dass er irgend etwas in dieser Geschichte verherrlicht. Dennoch konnte ich nicht verhindern, dass ich in diese Geschichte hineingezogen wurde. RP rückte mich als Leser immer wieder so nah an die Ereignisse, dass ich selbst Position beziehen musste, z.B. zu dem jungen Mädchen, das die Geliebte eines dieser Banditen war und die dem Autor während der oben erwähnten Zugfahrt von den Ereignissen berichtet. Aus ihrer Sicht stellte sich das alles in einem anderen Lichte dar... und war so etwas wie eine Liebesgeschichte mit unglücklichem Ausgang.Das Buch ist faszinierend in seiner Struktur. Hier werden nicht – nur zum Zwecke des Gruselns – vordergründig blutrünstige Details aneinander gereiht. Auch und gleich gar nicht ein Versuch gemacht einen neuen Gangster-Mythos zu erzeugen. Eher sind es die beispielgebenden Beschreibungen der, Verbrecher erzeugenden, aktuellen argentinischen Verhältnisse, mit ihren martialischen Strafvollzug oder der Alltäglichkeit der Folter, die sozusagen als Warnung für den Rest der Welt unterschwellig mitschwingt. In der Ausführlichkeit seiner szenischen Beschreibungen gibt er dem die Wahrnehmung der Wirklichkeit störenden oder zerstörenden Sensationsjournalismus einen Hieb... Die ganze zerrissene Gesellschaft, die nach den Exzessen der Diktatoren und Putschisten, nach den Generälen und korrupten Politikern ausgeraubt zurück bleibt und mit diesem Vermächtnis leben muss, ist eine weitere Ebene dieses Buches.Mir hat aber nicht nur die beschriebene Kriminalisierung der Macht und die Macht des Kriminellen unglaublich gut gefallen, sondern auch die beschriebene innere menschliche Haltung der Beteiligten (der alltägliche Machismo), die solche Exzesse erst möglich macht. Auch wenn der Roman etwas nach Zusammenschnitt von Protokollen, sensationsgeiler Journalie und kokainverseuchten Hirngespinsten aussieht, sind es die ständigen Perspektivenwechseln, die anspruchsvolle Literatur erzeugen, welche dann aber trotz alledem nicht moralisiert.Für mich ist dieser Roman ein Spiegel der aktuellen Politik der Zerstörung sozialer Errungenschaften und dieser Spiegel zeigt, wohin in letzter Konsequenz der Neoliberalismus führen kann. Dabei ist das Buch ungeheuer (im wörtlichen Sinne) spannend und aufregend, mithin nicht unbedingt geeignet für Menschen mit „schwachen Nerven“. Es gibt einen guten Einstieg in das Werk eines großen Schriftstellers und es ist dem Wagenbach-Verlag zu danken, dass es uns diesen Autoren zugänglich macht. Es ist für mich der äußerst gelungene Versuch, literarisch über die Schwierigkeiten hinweg zu kommen, welche uns auf der Suche nach der Wahrheit immer wieder vor die Füße fallen.

  • None
    2018-12-06 18:17

    Mit diesem Buch zeigt sich mal wieder, dass die Realität spannender als so manche Fiktion ist. Von der ersten Seite bis zum bitteren Ende bleibt der Leser bei den brutalen Gangstern und erfühlt die unerbittliche, rasante Spirale der Gewalt und Drogen. Spannend und verstörend!