Read Luther: Mensch zwischen Gott und Teufel by Heiko A. Oberman Online

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Das Standardwerk in einer neuen AusgabeF r die Nachwelt ist Luther der Reformator, der Erneurer der Kirche Er selbst sah sich ganz anders als von Gott gebrauchtes Werkzeug zur Rettung der Christenheit vor dem noch zu Lebzeiten erwarteten J ngsten Gericht Mit einem Bein noch tief im Mittelalter verwurzelt sah Luther sich weniger als Handelnden denn als Getriebenen, als Sprachrohr eines nahen und berw ltigenden Gottes Luther war M nch aus Angst, Prediger ohne Furcht und Prophet wider den Zeitgeist ein mittelalterlicher Prophet, der das Mittelalter an sein Ende bringt....

Title : Luther: Mensch zwischen Gott und Teufel
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ISBN : 357055337X
ISBN13 : 978-3570553374
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Pantheon Verlag 24 Mai 2016
Number of Pages : 400 Pages
File Size : 574 KB
Status : Available For Download
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Luther: Mensch zwischen Gott und Teufel Reviews

  • Olaf Sommer
    2018-10-24 01:45

    Wie gesagt, ich halte den Text von Heiko A. Oberman für eine sehr gute Einführung, vor allem geeignet für Westdeutsche, die während ihrer Schulzeit kaum über Luther gehört haben. Stören tut mich allerdings formal, dass dem Text keine klassische Literaturliste mit dem aktuellen Forschungsstand und den herausgegebenen Originaltexten Luthers angehängt wurde. Außerdem wäre eine kritischerer Umgang mit dem geistigen Phänomen Luther wünschenswert. Ein Magister der Künste der Universität Erfurt ist von seinen eigenen geistigen Fähigkeiten sicherlich erst einmal selbst begeistert, allerdings steht ein Magister der gesellschaftlichen Sphäre von Kaiser und Papst doch sehr fern. Ein ernst zu nehmendes Urteil über die Institutionen Kaiser und Papst sind einem Magister sicher nicht zu zu trauen. Ein ernsthaft gemeinter Angriff auf die Oberhäupter von Staat und Kirche wirkt da eher übermütig und lächerlich. Daher sollte man ernsthaft darüber nachdenken, ob man die Angriffslust des Martin Luther so positiv und unkommentiert darstellen sollte wie bisher. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein evtl. von Luther verbreitetes falsches Weltbild dem Volksgeist und dem Ansehen Deutschlands eher schaden als nützen würde. Ganz katastrophal wäre es, wenn man eine Irrlehre als soziales Leitbild nehmen würde. Das würde unweigerlich in den Untergang einer ganzen Gesellschaft führen.

  • Axel Buddemeier
    2018-10-29 04:38

    Entgegen der heute üblichen Interpretation Luthers als Vorkämpfer der Moderne, versteht Obermann Luther aus seiner Zeit heraus, vor allem aber aus seinem Denken und seinem Glauben. Ein erfrischend quer stehender Ansatz gegen alle Vereinnahmung des Reformators!

  • Hanniel
    2018-11-03 02:31

    Der Nachwelt ist Luther der Reformator, der Erneuerer der Kirche. Er selber sah sich ganz anders - von Gott gebrauchtes und gestossenes Werkzeug zur Rettung der Christenheit vor dem in wenigen erwarteten Jüngsten Gericht. Er weiss sich als Sprachrohr eines bedrängend nahen, überwältigenden Gottes - mehr Getriebener als Handelnder: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. (Umschlagtext)Als die Kirche dem Himmel noch gleich war und der Kaiser die Macht der Welt repräsentierte, da hatte sich dieser Mönch gegen die Mächte von Himmel und Erde erhoben. Ihm blieben Gott und der Teufel, sein allgegenwärtiger Widersacher. (7)Eine klasse BiografieSelten sind Klappentexte so treffend wie dieser. Die Luther-Biografie von Heiko H. Oberman betrachte ich als wertvolle Studie zur Zeit, Leben und Werk des Reformatoren. Oberman, niederländischer Reformationsforscher (1922-2001), betätigt sich hier in seinem Kerngebiet. Wer sich etwa die Literaturangaben aus Luthers Werk ansieht, erkennt rasch, welche gründliche Arbeit hinter dem Buch steckt. Ich war an die Augustinus-Biografie von Peter Brown erinnert. Jedem, der sich näher mit Luther auseinandersetzen möchte, empfehle ich die Lektüre. Auch wenn die Sprache anspruchsvoll ist: Durchhalten lohnt sich.Nachvollziehbarer, sorgfältig arrangierter AufbauDer Aufbau wird der Komplexität der Ereignisse und Bezüge gerecht. Im ersten Teil bettet Oberman den Auftritt Luthers geografisch, epochal und biografisch ein. Im zweiten Teil bespricht er das Reformationsereignis als solches, indem er die Zubereitung, den Durchbruch und die Anfechtungen des Reformators beschreibt. Drittens kommt Oberman auf die zahlreichen Kontroversen und Entzweiungen in den knapp drei Jahrzehnten der Wirkungszeit Luthers zu sprechen, um dann auf Person und Tat Luthers selbst zurückzukommen.Die These...habe ich schon mit den beiden Zitaten zum Einstieg wiedergegeben. Oberman ist überzeugt, dass ein wirkliches Verstehen Luthers es nötig macht, "seine Geschichte anders zu lesen als gewohnt: Sie ist Geschichte 'Sub specie aeternitatis', zwar im Licht der Ewigkeit, doch nicht im milden Schein eines stetigen Fortschritts gen Himmel sondern im Schatten der chaotischen Endzeit einer nahe herbeigekommenen Ewigkeit." (21) Diese bedrohliche, dringende Kulisse steht über dem gesamten Leben und Wirken des Reformators.Das Umfeld des ReformatorsLandespolitik"Das landesherrliche Kirchenregiment ist nicht erst das Ergebnis der Reformation, es hat schon ihren Anfängen Pate gestanden." (29) Die Konstellation der Kaisernachfolge und der Machtkampf mit den Regionalfürsten war eng verbunden mit dem Werdegang und Verlauf der Reformation.PapsttumDas Reformmanifest "An den christlichen Adel deutscher Nation" "ist nicht die Fortsetzung der akademischen Debatte mit andern Mitteln, sondern das Ergebnis der im wörtlichen Sinne niederschmetternden Erkenntnis, das der Antichrist das Regiment der Kirche übernommen hat." Rom ist die "Einbruchsstelle des Teufels, der dort eindringt, um seinen letzten grossen Kampf gegen Christus auszufechten." (50-51)Luther als BussprophetLuther sprach nicht als Held, sondern als "Bussprophet, der die Nation statt zum Sieg zum Beichtstuhl führt mit dem Ziel, 'das wir durch Straff uns bessern und Gottes huld widder erlangen'" (54). Sein Programm hiess "Busse, Umkehr und Reformation, ohne die Aussicht auf ein goldenes Zeitalter, es sei denn, nach der Wiederkunft Christi" (55). "Als Volksheld hat er sich verweigert - eben so ist er deutsches Ereignis geworden." (57)Ängste der Zeit"Luther war von den Ängsten seiner Zeit nicht unberührt, und eben darum hat er wohl auch so nachhaltig in sie hineinsprechen können." (75) Worin bestand diese? Es war das Hoffen und Bangen, dass der Tag Gottes jeden Tag hereinbrechen werde. (79)AblassDie Ablasskritik "war keineswegs neu und unerhört; sie konnte damals und kann heute auch von Reformkatholiken mitvollzogen werden." (81) Seine Reformpredigt, in den 95 Ablassthesen zum Ausdruck gebracht, "ist nicht asketisch entrückt, sondern gilt der Welt - nicht um sie in ein Kloster zu verwandeln, sondern damit sie Welt bleibe und so werde, was sie ist: Gottes gute Schöpfung." (83) In der "Freiheit eines Christenmenschen prangert Luther Luxus, Handel, Wucher und Geschäftsmonopole gleichzeitig an. Seine Ethik ist "Überlebensethik in gefährlichen Zeiten" (85).Bildungsrucksack, Werdegang und Durchbruch des ReformatorsSein ganzes Leben lang hat der Reformator in mündlichen Debatten und schriftlichen Auseinandersetzungen vom "scholastischen Bildungsfundus profitiert" (120). Die philosophische Fakultät hatten Luther die Waffen zu seiner Verteidigung an die Hand gegeben (126). Als Luther ins Kloster in Wittenberg eintrat, liess er alle Bücher zurück, "nur seinen Plautus und Virgil behielt er bei sich - und zitierte daraus sein Leben lang" (131).Das Gespür für die Heiligkeit Gottes ist Luther "von Anfang an eigen gewesen". "Es verhinderte, dass sich im Umgang mit Gott fromme Gewöhnung einschlich... Immer geht es um die Begegnung mit dem lebendigen Gott." (146) 1512 übernahm Luther eine Bibelprofessur, die er sein ganzes Leben lang behalten sollte (151).So suchte Luther denn "nach dem harten Kern im Wildwuchs des Heilsangebots der Zeit" (159). Dabei war ihm "das genaue Hören auf die Heilige Schrift die einzige wissenschaftliche Basis und damit der sichere Massstab für Wahrheit" (ebd). "Luthers Entdeckung ist darin völlig neu, dass er sieht, wie Gottes Gerechtigkeit mit der Gerechtigkeit Christi untrennbar vereint und darin aufgegangen ist" (161). "Der Stachel von Lohn und Leistung, so lange unwidersprochen der Grundantrieb menschlichen Handelns, wurde gezogen; den guten Werken, deren Unverzichtbarkeit das Evangelium kirchlicher Lehre gemäss so deutlich bezeugt, ist die Basis entzogen." (162)Anfechtungen und Kontroversen"Luther ... hat sein Leben und sein Wirken aus einer anderen Perspektive gesehen, die dem modernen Historiker und aufgeklärten Weltbürger ungeläufig, die ihm sogar völlig fremd geworden ist: Er sei geführt, ja getrieben und gestossen worden. Von der ersten Auseinandersetzung um seine Ablassthesen bis hin zu seinem letzten Rückblick auf den Weg zur Reformation hat Luther stets darauf bestanden, dass seine 'Laufbahn' keiner natürlichen Veranlagung entsprach und keinem eigenen Lebensplan entsprang." (223)Luther widmete sich zahlreichen Kontroversen und Streitigkeiten auch aus den eigenen Reihen: "Taufe, Abendmahl, Busse, Ehe und Obrigkeit waren die zentralen Themen, mit denen Luther sich in den kommenden Jahren zu befassen hatte." (240) Luthers hartes Einsteigen in die Bauernkriegspropaganda und der Bruch mit Erasmus hatten Luther schon in den 1520er-Jahren in Konflikt sowohl mit dem gemeinen Mann als auch mit der Welt der Gelehrten gebracht (vgl. 299).GelerntIch bin beeindruckt von der Unbestechlichkeit Luthers. "Zeitlebens war er unbestechlich und ohne Rücksicht auf Personen oder eigene Interessen bereit, auch Freundschaften aufs Spiel zu setzen, wenn es um Grundsätze ging" (155). So gab es denn keinen Luther, der im Kreis der Familie anders war als der, den man von seinen öffentlichen Ämtern her kennt (324).Luthers Jähzorn "wird teilweise damit entschuldigt, dass er ununterbrochen im Kampfe und jeweils 'explodierte', wenn ihm der Druck der Angriffe unerträglich wurde" (308). Da sein Leben ein Kampf gegen den Teufel war, "war er von Kopf bis Fuss gegen Krankheit ausgerichtet und auf Gesundheit eingestellt" (344). Bei seinen zahlreichen körperlichen Beschwerden ist das beeindruckend.Zweitens nehme ich mir die Genauigkeit des Reformators mahnend zu Herzen. ""Stunde um Stunde wird ein Text nach dem andern abgeklopft, um durch die Worte hindurch Zugang zum Worte Gottes zu gewonnen." (171) Wahrer Theologe wird man nicht durch Philosophieren und Spekulieren, sondern "durch das Leben, das in Anfechtungen und das Kämpfe zu bestehen aufgibt" (166).Oberman drückt aus, was ich mir auch für mein Leben wünsche: "Gottesfurcht beherrschte Denken und Handeln. Im Vergleich dazu verblasst Sorge und Angst vor weltlicher Macht und kirchlichem Druck." (199)Schliesslich stehen da seine letzten Worte: "Wir sind Bettler." "dieses Worte, das sich Luther kurz vor seinem Tod auf einem Zettelchen aufgeschrieben hatte, ist keine Sterbemoral, sondern Lebensweisheit und entspringt der Erfahrung mit der Arbeit an der Bibel, der Übersetzung und der Auslegung." (319)

  • MyStarry
    2018-11-12 03:48

    Klappentext:Für die Nachwelt ist Luther der Reformator, der Erneurer der Kirche. Er selbst sah sich ganz anders: als von Gott gebrauchtes Werkzeug zur Rettung der Christenheit vor dem noch zu Lebzeiten erwarteten Jüngsten Gericht. Mit einem Bein noch tief im Mittelalter verwurzelt sah Luther sich weniger als Handelnden denn als Getriebenen, als Sprachrohr eines nahen und überwältigenden Gottes. Luther war Mönch aus Angst, Prediger ohne Furcht und Prophet wider den Zeitgeist – ein mittelalterlicher Prophet, der das Mittelalter an sein Ende bringt.Über den Autor:Heiko A. Oberman (1930 – 2001) studierte Theologie und Geschichte in Utrecht und Oxford. Er lehrte an der Divinity School der Harvard University. Von 1966 bis 1984 war er Professor für Kirchengeschichte an der evangelisch-theologischen Fakultät in Tübingen. Unter seiner Führung wurde Tübingen zum weltweit bedeutendsten Zentrum der Erforschung spätmittelalterlicher und reformatorischer Theologie. Von 1984 bis zu seinem Tod lehrte er als Regents Professor of Medieval, Renaissance, and Reformation History an der University of Arizona.Rezension:Passend zum Luther-Jubiläumsjahr habe ich mich für ein weiteres Buch entschieden, das Luther und seine Theologie thematisiert. Obwohl das vorliegende Buch, das 1981 erstmals erschienen ist, als Biografie klassifiziert werden kann, spielen auch Luthers Lehren eine wichtige Rolle in diesem Buch. Dies mag darin begründet sein, dass der Autor, Heiko A. Oberman, selbst Theologe war. Er hat sich besonders für Luthers Wirken und seinem Glauben zwischen Gott und dem Teufel beschäftigt. Dadurch wird es möglich, den berühmten Reformator Luther noch einmal näher und persönlicher kennen zu lernen und auch seine inneren Kämpfe zu sehen. Erwähnenswert ist außerdem der umfangreiche Anhang, in dem ein Zeitstrahl mit wichtigen politischen Ereignissen und Stationen aus dem Leben Luterhs dargestellt sind.Neben Luther als Hauptperson des Buches werden zusätzlich seine Zeitgenossen vorgestellt. Sowohl seine engen Vertrautern, aber auch seine Widersacher, sodass ein ganzheitliches Bild der Ereignisse und deren Rahmenbedingungen geschaffen wird. Der Autor hält sich bei seinen Erzählungen an die historischen Fakten, trotzdem wirkt das Buch keinesfalls als trockenes Fachbuch. Das mag auch daran liegen, dass die gut 440 Seiten übersichtlich in 3 Kapitel gegliedert sind. Zu Beginn des Buches, wird die politische Lage im 16. und 17. Jahrhundert beschrieben. Ebenfalls werden hier auch Luthers Kindheit und prägende Ereignisse aus dieser Zeit angesprochen.Das nächste Kapitel spielt hauptsächlich in der heutigen Lutherstadt Wittenberg. Hier wird sein theologisches Wirken und sein Einfluss näher beschrieben, ebenso wie Themen und Fragen, die Luther persönlich bewegt haben. Anschließend wird im letzten Teil der Ausgang der Reformation, auch nach dem Tod Martin Luthers, dargestellt. Außerdem geht Oberman auf verschiedene reformatorische Gruppen und Bewegungen ein, die zum Teil heute noch bestehen.Am Ende des Buchs gibt der Autor noch einmal sehr persönliche Einblicke in Luterhs Wesen, seine Emotionen und sein Leiden. Insgesamt wird dadurch Luthers Biografie sehr eng mit seinem Wirken, seiner Theologie und der damaligen politischen Lage abgerundet, sodass der Leser einen guten Gesamteindruck vom Leben des berühmten Reformators Marin Luther bekommt.