Read Deutsche Kriegsverbrechen in Italien: Täter, Opfer, Strafverfolgung by Gerhard Schreiber Online

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Title : Deutsche Kriegsverbrechen in Italien: Täter, Opfer, Strafverfolgung
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ISBN : 3406392687
ISBN13 : 978-3406392689
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : C.H.Beck Auflage 1 23 September 1996
Number of Pages : 465 Pages
File Size : 964 KB
Status : Available For Download
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Deutsche Kriegsverbrechen in Italien: Täter, Opfer, Strafverfolgung Reviews

  • birddog
    2018-11-19 11:06

    Zwischen dem 8. September 1943 und dem 8. Mai 1945 verloren durch deutsche Hand allein unter der italienischen Zivilbevölkerung 16600 Menschen, darunter etwa 7400 Juden, das Leben. Unter den Zivilpersonen waren allein "580 unschuldige Kinder im Alter von weniger als 14 Jahren" (S. 215f.). Diese erschütternde Bilanz findet sich in Manfred Schreiber's auf der Auswertung von deutschen Unterlagen und Berichten italienischer Tatzeugen (vgl. S. 11) beruhenden Studie "Deutsche Kriegsverbrechen in Italien. Täter, Opfer, Strafverfolgung". Schreiber macht in dem Band den ganzen Furor der deutschen Soldateska gegenüber den angesprochenen italienischen Staatsbürgern, aber auch gegenüber sich ergebenden oder kriegsgefangenen italienischen Militärangehörigen (vgl. S. 39ff.), deutlich. Der Militärhistoriker ergreif Partei für die Geschundenen und deckt die Wurzeln des erbarmungslosen Wütens verrohter SS-, Wehrmachts- und Polizeieinheiten auf (vgl. S. 38). An dieser Stelle seien ausnahmsweise zwei längere Zitatstellen aus Schreiber's Text angeführt, die seine Argumentation sehr gut veranschaulichen. So schreibt er auf S. 163: "Die Menschenverachtung des deutschen Vorgehens ist erschütternd und durch nichts zu rechtfertigen, umgekehrt reflektiert sich in ihr freilich zugleich die Tatsache, daß die Widerstandskämpfer der Besatzungsmacht erhebliche Schwierigkeiten bereiteten. Aber das berechtigte letzere nicht, die Zivilbevölkerung ... mit verbrecherischen Methoden einzuschüchtern." Klare Worte des Autors, denen man nur zustimmen kann. Wie konnten deutsche Truppen aber solche Greueltaten verüben? Welche Abgründe verbergen sich hinter einem solchen Verhalten? Auch auf diese Frage findet Schreiber die richtige Antwort: "Die ... mentale Disposition deutscher Militärs und die ideologisch motivierten Ressentiments führten offenbar zu der Überzeugung, daß Widerstand leistende Italiener nichts anderes als den Tod verdienten; und gleichzeitig machten die von der politischen oder militärischen Führung erlassenen Befehle das Töten - selbst von unschuldigen Landesbewohnern - besonders einfach" (S. 195). Darüber hinaus analysiert er das Versagen der deutschen Justiz bei der Ahndung der durch Angehörige deutscher Einheiten begangenen Kriegsverbrechen. Allzu oft liefen Prozesse, so der Autor, auf eine Freisprechung der Angeklagten hinaus, weil sich der Tathergang nicht mehr rekonstruieren ließ, die Verteidigung auf Befehlsnotstand plädierte oder die Verbrechen als Totschlag eingestuft wurden. Totschlag aber war zum Zeitpunkt der meisten Anklageerhebungen bereits verjährt (vgl. z. B. S. 167). Geradezu beklemmend liest sich schließlich das vom Autor mit "Crescendo der Vernichtung" betitelte Kapitel über die Verbrechen deutscher Einheiten an italienischen Zivilisten. Minutiös listet der Verfasser die Tatorte und Tatzeitpunkte, Opferzahlen und Begleitumstände dieses mörderischen Treibens auf (vgl. S. 93ff.). Liest man diese Ausführungen, so schämt man sich, Deutscher zu sein. Und man wundert sich darüber, dass die italienische Bevölkerung auf diesem Hintergrund deutschen Touristen nicht distanzierter begegnet. Zwischen September 1943 und Mai 1945 haben - um noch einmal die Statistik zu bemühen - nach Schreiber's Berechnungen "ohne die gefallenen Partisanen und regulären Soldaten" "täglich 165 Kinder, Frauen und Männer jeden Alters ihr Leben verloren" (S. 217). Diese nur zivile italienische Staatsbürger umfassende Zahl macht betroffen, macht traurig. Man wünscht Gerhard Schreiber's Buch der Schande viele Leser.