Read Kaiser Sigismund by Wilhelm Baum Online

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AutorenkommentarMit Diplomatie lassen sich auch komplizierte Probleme l senKaiser Sigismund von Luxemburg 1387 1411 1437 stand als K nig von Ungarn und deutscher K nig und Kaiser vor fast unl sbaren Problemen, da er im r misch deutschen Reich praktisch ber keine Hausmacht mehr verf gte und Jahrzehnte hindurch durch die Expansion der T rken auf dem Balkan gebunden war Er nutzte jedoch das Autorit tsvakuum in der Kirche angesichts dreier sich bek mpfender P pste um das Reformkonzil von Konstanz 1414 1418 einzuberufen und konnte dadurch auch die Einflu m glichkeit des Kaisertzums st rken Die schwere Krise der Hussitenkriege vermochte er nach dem Tod seines Bruders Wenzel nunmehr auch K nig von B hmen ab 1419 im Laufe der Zeit durch Verhandlungen zu l sen Seine B ndnispolitik reichte von England, das er als einziger Kaiser bereiste, Spanien und Byzanz bis zu den Herrschern von Zentralasien Er war der erste Kaiser,der mit ihnen direkte B ndnisverhandlungen f hrte Er war eine schillernde Gestalt, ein Regent, der viele Sprachen sprach, als aufmerksamer und aufgeschlossener Zeitgenosse die Entwicklungen beobachtete und aus allem das Beste zu machen versuchte Als letzter deutscher Kaiser des Mittelalters spielte er in allen wichtigen Fragen des Kontinents eine Rolle Wie sein Vater Karl IV versuchte auch er, die Hausmacht der Luxemburger vor allem nach Osten zu erweitern Indem er dem Habsburger Albrecht V als Gemahl seiner Tochter Elisabeth die Nachfolge in Ungarn und B hmen verschaffte, legte er letztlich das Fundament f r die Entstehung der Donaumonarchie, die in seinem Reich ihre Pr figuration fand Dieses auch ins Tschechische bersetzte Buch versucht, die komplizierten Probleme der langen Regierungszeit Sigismunds auch dem Laien verst ndlich zu machen Der gro e Erfolg des Buches in Tschechien leitete hier eine Neurevision des Bildes des Kaisers ein, der hier Jahrhunderte hindurch als rothaarige Bestie geschm ht worden war Es wurde auch versucht, ber die Fakten hinaus ein Profil einer Pers nlichkeit zu zeichnen, die von der Historikerzunft lange Zeit hindurch stiefm tterlich behandelt wurde....

Title : Kaiser Sigismund
Author :
Rating :
ISBN : 3222122032
ISBN13 : 978-3222122033
Format Type : Paperback
Language : Deutsch
Publisher : Styria 1993
Number of Pages : 301 Pages
File Size : 668 KB
Status : Available For Download
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Kaiser Sigismund Reviews

  • Letsid
    2018-11-03 14:20

    Bei diesem wissenschaftlichen Sachbuch habe ich mich sehr schwer bei der Punktvergabe getan, denn von Schreibqualität handelt es sich um eine durchschnittliche Arbeit, somit 2-3 Sterne. Hinzu kommen Schwächen, die zumindest bei der Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit bzw. einer Arbeit mit wissenschaftlichen Anspruch ins Gewicht fallen, nämlich das Fehlen von Sachlichkeit und Objektivität oder wenn das wirklich nicht möglich ist, wenigstens der Versuch einer ausgewogenen Auslegung der Quellen, was hier auch nicht der Fall ist. Somit ergibt sich eine Reduktion auf zwei Sterne. Da mich auch die Schlussfolgerungen und Wertungen des Universitätswissenschaftlers Baum nicht überzeugen konnten, ich messe nun einmal die Qualität eines Menschens (und auch einer historischen Persönlichkeit) an den belegten Taten und Leistungen und nicht daran, was er oder sie gewollt oder wie er oder sie sich vermarktet haben, reduziere ich meine Wertung auf einen Stern.Mein Eindruck - Wilhelm Baum ist von Sigismund begeistert. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, aber deshalb versagt er bei dem Versuch, eine seriöse wissenschaftliche Biographie zu schreiben. Alles, was Sigismund getan hat, ist für Baum großartig, alles, was er falsch gemacht hat, wird bei Baum entschuldigt, jede üble Tat oder zweifelhafte Sache wird heruntergespielt. Hinzu kommt, dass Baum Sigismund auch zu sehr als den Macher im Alleingang präsentiert, was mit Blick auf die gesicherten Fakten zu Sigismunds Zeit nicht sehr glaubwürdig ist. Ratgeber, Landstände, Gruppierungen sind bei Baum entweder ausgeblendet oder, wenn die eine oder andere Person vorkommt, dann bleibt sie farb- und konturlos, bestenfalls eine Stereotype. Ein wenig ist es in diesem Buch (das immer als wissenschaftliche Arbeit gilt) wie in den Biopics der 30er- und 50er-Jahre, wo Geschichte und Umfeld auf die Kulisse für den Star (bzw. die historische Persönlichkeit) reduziert ist, der zudem noch einseitig in Szene gesetzt wird: Baums Sigismund ist angeblich großartig und einzigartig, er ist omnipräsent, aber was mir in der Biographie völlig fehlt, sind überzeugende Gründe, aus denen ich diese Großartigkeit und Einzigartigkeit selbst erkenne. Hinzu kommt noch, dass ständig der Eindruck entsteht, dass dieses großartige Sigismund-Bild auf Kosten anderen historischer Akteure erzeugt wird. Baum überträgt auf Sigismund das, was eigentlich andere geleistet haben, spielt die Mitwirkung seiner Helfer gezielt hinunter und wertet dessen Gegner gezielt ab und Sigismund auf ihre Kosten auf. Selbst eine populärwissenschaftliche Biographie sollte solche (Propaganda-)Methoden nicht notwendig haben.Baum zeichnet nicht aufgrund der belegbaren Fakten die Biographie von Sigismund nach, sondern er verwendet diese Fakten nur dazu, um mit ihrer Hilfe für seinen bei Helden Sigismund eine für dessen Heldentum und vermeintliche Großartigkeit angemessene Biographie zu basteln. (Für einen Roman, solange er sich nicht auf seine historische Richtigkeit beruft, ist ein solcher Zugang zulässig, für eine wissenschaftliche Arbeit ist dies jedoch äußerst problematisch, selbst wenn so die breite Masse angesprochen wird oder es sich nur um eine populärwissenschaftliche Arbeit handelt.)Sehr aufschlussreich ist hier zum Beispiel Baums Darstellung von Sigismund und Jan Hus. Jan Hus ist ein dunkler Punkt in einer Sigismund-Biographie und belastet auch das Sigismund-Bild, das Baum vorgeschwebt haben dürfte. Aber da Jan Hus zu bekannt ist, konnte Baum ihn nicht einfach wegblenden, ohne sich dabei selbst als Wissenschaftlicher bzw. wissenschaftlicher Autor fragwürdig zu machen. Dass Baum versucht hat, Sigismund hier zu entlasten oder gar zu entschuldigen, war zu erwarten. Positiv fällt hier zunächst sogar auf, dass Baum die Frage nach der Gültigkeit des freien Geleites aufgrund der belegbaren Quellen überprüft und keineswegs versucht, Sigismund damit aus der Verantwortung zu entlassen, dass zumindest alle Zusagen, die belegbar sind, doch ohnehin eingehalten wurden. Stattdessen wirbt er um Verständnis für Sigismunds Lage und sein Handeln bzw. Nichthandeln.Auffällig ist, dass Baum nahe liegende Fragen wie z. B., was ein Widerruf Jan Hus tatsächlich gebracht hätte, außer halt sein Leben zu retten, nicht einmal stellt. (Ich habe mir z. B. oft die Frage gestellt, ob der Tod für Hus nicht letztlich attraktiver war als den Rest seines Lebens in Haft zu verbringen. In diesem Zusammenhang hätte auch ein Blick auf Hus und Jeanne d'Arc sehr aufschlussreich sein können, die wie er letztlich den Tod auf dem Scheiterhaufen dem Widerruf vorgezogen hat.)Bei Baum entsteht der Eindruck, dass Sigismund Hus tatsächlich retten wollte, dies durchaus nicht aus humanen Gründen, sondern nur, weil er eben vorhersah bzw. befürchtete, dass sich ein Märtyrer Hus für seine Nachfolge als böhmischer König noch als Problem erweisen könnte. Sigismund wird von Baum hier als kluger und vorausschauender Politiker gezeigt. Gleichzeitig werden die übrigen Beteiligten (die bei Baum ohnehin nicht als Individuen fassbar sind) abgewertet. Da sie nicht in der Lage sind, Sigismunds kluge politische Sicht zu berücksichtigen, kommt es dazu, dass Hus letztlich als Ketzer verbrannt wird. Die Hinrichtung des Hus ist ihre Schuld, Sigismund wird weitgehend entlastet und auf ihre Kosten aufgewertet, es läuft bei Baum auf eine Gegenüberstellung von kluger Staatsmann contra beschränkte katholische Kirche hinaus.In dieser Sicht ist Sigismund am Tod des Jan Hus im Wesentlichen unschuldig bzw. entschuldigt. Die Frage nach der Gültigkeit des freien Geleites, das Sigismund Hus zugesichert hat, ist letztlich so nicht mehr von Bedeutung, das dürfte auch der Grund sein, warum Baum es sich leisten konnte, Sigismund zuvor nicht in diesem Punkt zu entschuldigen.Baums erreicht mit dieser Interpretation noch zwei weitere Nebeneffekte für seine Sigismund-Darstellung: Einerseits kann er Sigismund so als großen Staatsmann inszenieren, und andererseits schiebt er (indirekt) die tatsächliche Schuld an den Hussitenkriegen denen, die Hus hingerichtet haben, in die Schuhe und entlastet Sigismund in diesem Punkt völlig.Sigismund verschafft Hus immerhin die Möglichkeit sein Leben durch einen Widerruf zu retten. Dass Jan Hus diese Möglichkeit nicht nutzt bzw. nicht nutzen will, lastet Baum nicht Sigismund an, sondern schiebt die alleinige Verantwortung dafür Jan Hus zu. Im Gegensatz aber zu den ohnehin nicht wirklich als Individuen fassbaren Konzilvätern bzw. denen, die Hus auf dem Gewissen haben, wird Jan Hus deshalb nicht abgewertet. Die Entlastung bzw. Weißwaschung von Sigismund erreicht Baum hier dadurch, dass er die beiden als Typen zeigt, die einander nicht verstehen können. Jan Hus, der für seine Überzeugung mit dem Leben einsteht, kommt zwar positiv weg, unglücklicherweise ist er aber kein politischer Kopf, was Sigismund als kluger, vorausblickender Politiker in Baums Darstellung nicht begreifen kann. Daher scheitert Sigismund bei dem Versuch, Jan Hus zu retten, da er ihm keine Hilfe bieten kann, die Hus hätte annehmen können. Das Ganze ist letztlich bedauerlich, doch da Sigismund Hus eigentlich helfen wollte, gelingt es Baum, Sigismund gegenüber Jan Hus zu entlasten und Verständnis für sein Handeln zu schaffen.Die Hussitenkriege, an deren Zustandekommen Sigismund in der Darstellung von Baum, wie ich oben gezeigt habe, keine wirkliche Schuld trägt, werden bei ihm auch so etwas wie eine Bestrafung bzw. Sühne dafür, dass Sigismund, eben weil er Politiker ist, nicht imstande war, Hus zu retten, da ihm dessen ("unpolitischer") Charakter gänzlich fremd war.Sigismund wird hier als Sympathieträger von Baum ausgebaut und erhält sogar etwas wie tragische Züge. Er, der kluge, vorausschauende Politiker ist es, der letztlich für die Dummheit und Ignoranz anderer mit den Hussitenkriegen zu büßen hat, die nicht bereit waren, auf ihn zu hören.Letztlich dient der Fall des Jan Hus Baum zu einer Interpretation anhand einiger belegter Fakten, die er aber so interpretiert, dass er sein positives Sigismund-Bild weiter ausbauen kann.Nun gibt es aber zu Sigismund und Hus auch andere, ebenfalls wissenschaftliche, quellenfundierte Interpretationen. Dazu gehören zum Beispiel einige wissenschaftliche Arbeiten, in denen die Frage diskutiert und bejaht wird, dass Sigismund Hus eiskalt geopfert hat, um sich als Konzil-Retter zu profilieren, da er dafür einen ersten Erfolg benötigte.Hier wird vor allem darauf Bezug genommen, dass Sigismund gerade in den wenigen Monaten zwischen seiner Ankunft in Konstanz und seiner Abreise von dort nach Frankreich seine wohl erfolgreichste Zeit als Reichspolitiker hatte. Die meisten seiner machtpolitischen Erfolge waren jedoch nur möglich, indem er sämtliche Rechte, Reichsgesetze und rechtliche Regelungen ignorierte oder sogar brach. Die Notwendigkeit dieser recht fragwürdigen Vorgehensweise rechtfertigte er (zu diesem Zeitpunkt offensichtlich mit Erfolg) damit, dass er nur so den Bestand des Konzils und dessen Zielsetzungen retten könne.(Daneben findet sich wiederholt, dies auch in wissenschaftlichen Arbeiten, dass Sigismund selbst behauptet haben soll, er wäre zu seiner Rolle als "Konzil-Retter" und den damit verbundenen Rechts- und Gesetzesbrüchen von anderen Personen genötigt worden, so besonders von den Reichsfürsten. Hier ist für mich allerdings nicht klar zu erkennen, inwieweit diese Rechtfertigung tatsächlich auf Sigismund selbst zurückgeht.)Damit aber die Konzil-Rettung auch für seine Zeitgenossen glaubwürdig wirkte, benötigte Sigismund nicht nur ein Konzil, das erst bei seinem Abschluss so etwas, wie einen tatsächlichen Erfolg vorweisen konnte (was mit der Wahl von Papst Martin V. letztlich der Fall war), sondern schon zu Beginn bzw. während des Konzils erste (kleinere) Erfolge schaffte, die als Belege für die tatsächliche oder angebliche Kompetenz für einen Enderfolg seines Konzils genutz werden können. Dass sich dafür Erfolge in theologischen Angelegenheiten besser eigneten, als solche, die auch als Teil eines Machtkampfes ausgelegt hätten werden können, liegt auf der Hand.Wie auch immer solche Sichtweisen einzustufen sind, eine Lösung im Fall von Jan Hus, ob negativ oder positiv, war eindeutig geeignet, die Kompetenz des Konzils unter Beweis zu stellen, dass hier gearbeitet und Probleme gelöst wurden. Da zu diesem Zeitpunkt die jahrelangen Hussitenkriege wohl nicht vorhersehbar waren, hatte Sigismund aus damaliger Sicht, wohl keine wirklichen Nachteile für seine aktuelle Lage und die Lauterkeit seiner "Konzil-Rettungsmaßnahmen" zu befürchten, egal, wie der Fall Hus letztlich abgeschlossen wurde.Eine solche Sichtweise, die ebenfalls auf belegten Fakten aufbaut, zeichnet allerdings ein ganz anderes Sigismund-Bild als das von Baum. Dieser Sigismund ist im Unterschied zu Baums Sigismund kein kluger Politiker mit Weitblick oder Staatsmann, sondern nur ein skrupelloser Machtpolitiker, der zudem auf fragwürdige Methoden setzt, die vielleicht kurzfristige Erfolge bringen, aber langfristig betrachtet, auch ein großes Gefahrenpotential beinhalten, was er - aus welchen Gründen auch immer - in Kauf nimmt. Das Konzil kommt hier ebenfalls fragwürdig weg, ist nur der "Tummelplatz", den Sigismund für seine Machtpolitik nutzt und auch missbraucht. Bei dieser Sicht trägt Sigismund wesentliche Verantwortung für das Schicksal des Jan Hus, hat er doch zumindest dessen Ausschaltung (wenn vielleicht auch nicht die Hinrichtung) eiskalt für seine Machtpolitik, die zudem auf bedenklichen Basis durchgeführt wird, in Kauf genommen und damit auch eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, dass es zu den Hussitenkriegen später kommen konnte. Der Fall des Jan Hus und die Hussitenkriege können in dieser Sicht nicht nur als "gerechte" Strafe für Sigismund gesehen werden, sondern auch als Indiz dafür, dass seine Machtpolitik nicht besonders weitsichtig war und ihre negativen Aspekte letztlich überwogen. Sie wurde die Grundlage für schreckliche Kriege und brachte seinen Untertanen (im Königreich Böhmen und im Heiligen Römischen Reich) und den Untertanen vieler seiner Reichsfürsten langfristig gesehen, viel Leid, Elend, Entwurzelung und Ähnliches.Recht aufschlussreich ist nun, dass Baum solche Sichtweisen einfach weglässt. Indem er aber andere Sichtweisen nicht anführt oder zur Diskussion stellt, vermittelt er den Eindruck, dass es nur seine Auslegung gibt und diese die einzige Richtige sein muss (Deutungshoheit).Das ist für einen Roman zulässig, aber nicht für eine seriöse wissenschaftliche Arbeit. Dass Baum sich für das gänzliche Weglassen entschieden hat, legt nahe, dass er seine eigene Meinung, die für ihn die einzig Richtige sein dürfte, gefährdet sah. Denn immerhin hätte er auch darauf hinweisen können, dass es hier andere Sichtweisen gibt oder er hätte diese nutzen können, um so seine eigene Sichtweise zu hinterfragen, und wenn möglich, zu untermauern. Indem er auf andere Sichtweisen eingegangen wäre und diese auf ihre Wahrscheinlichkeit geprüft hätte, hätte er zugleich zeigen können, warum seine Sichtweise der historischen Wahrheit doch wohl am nächsten kommen dürfte.Weitere Fakten zu den Hussiten und dem Konzil hat Baum überhaupt weggelassen. Wie das Beispiel des Hieronymus von Prag zeigt, war Jan Hus nicht das einzige Opfer der (späteren) Hussiten auf dem Konzil. Sigismund war zwar zu diesem Zeitpunkt nicht in Konstanz, sehr wohl aber Pfalzgraf Ludwig, dem er seine Vertretung übertragen hatte. Es ist nichts überliefert, dass Sigismund sich dazu geäußert hat, er scheint die Hinrichtung des Hieronymus von Prag somit gebilligt zu haben. Nach der Papstwahl wiederum hat Sigismund keineswegs versucht, jetzt doch noch etwas für Hus oder dessen Anhänger zu erreichen, als Papst Martin V. die Verurteilung und Hinrichtung von Jan Hus und Hieronymus von Prag durch das Konzil nachträglch sanktionierte, nachdem eine Gesandtschaft von deren Anhängern bei ihm vorstellig geworden war. Offensichtlich hat Sigismund daraufhin auch nicht gezögert, selbst Druck auf König Wenzel und die böhmischen Stände auszuüben, damit endlich gegen die Hussiten dort vorgegangen wird. Diese Fakten hätten auch nicht zu Baums Sichtweise gepasst - warum hat er sie wohl weggelassen?Offensichtlich gehört es zu Baums Arbeitsweise, das, was nicht in seine Interpretation passt und nicht allgemein bekannt ist, wegzulassen. Damit aber wird die Seriosität seiner Ergebnis stark beeinträchtigt.Da dies Baum vermutlich ebenfalls klar sein wird, stellt sich die Frage, warum er gerade diese Methode gewählt hat? Verlässt er sich darauf, dass es die breite Masse nicht wagt, seine Ergebnisse in Frage zu stellen, da er doch ein Wissenschaftler ist, der an einer Universität wirkt? Baut er darauf, dass andere Forscherinnen und Forscher seine Meinung übernehmen, da dies zurzeit zu dem passt, was an den Universitäten und anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen vorgegeben ist. (Stellt sich leider auch gleich die Frage, ob es auf der Universität etwa heute schon wieder eine (indirekte) Zensur gibt, darüber welche Ergebnisse zulässig zu sein haben? Ist die wissenschaftliche Forschung längst wieder in ihre Bahnen vor 1968 zurückgekehrt oder sind wir gar wieder im 19. Jahrhundert angekommen?)Ein weiteres Detail, wo sich Baums Vorgehensweise in diesem Buch ganz gut belegen lässt, sind Sigismunds politische Reisen, denen Baum große Priorität einräumt und die er als großartige Erfolge für seinen "Staatsmann Sigismund" deutet, aber auch dazu nutzt, Sigismund hier als Vorläufer des globalen (EU-)Politikers zu zeigen. Dass die Reisen auch ihre Schattenseiten hatten, wird dagegen ebenfalls ausgeklammert. So war es für Sigismund zwar sicher eine große Ehre, als Vermittler des französischen Krone nach England zu reisen, dass diese Reise aber auch problematische Kehrseiten hatte (so zum Beispiel der doch sehr hohe Kosten- und Zeitaufwand, dem gegenüber sich die tatsächlichen Ergebnisse recht bescheiden ausnehmen, Verlust einiger Positionen, die er sich zuvor als "Konzil-Retter" eröffnet hatte etc.) wird von Baum wieder ausgeblendet.Was Baum ebenfalls ausklammert, sind vernünftige Antworten auf die zumindest berechtigte Frage, warum Sigismund eigentlich bei späteren Generationen (bis ins ausgehende 20. bzw. ins 21. Jahrhundert) nicht besonders gut wegkam und es erst Baum war, dem es sozusagen gelang, Sigismund als historische Persönlichkeit zu rehabilitieren bzw. in seiner wahren Bedeutung zu entdecken. (Die heute sehr positive tschechisch-deutsche Sigismund-Forschung soll angeblich Wilhelm Baums Biographie aufbauen.)Auch wenn das von ihm nach seinem Tod allmählich entstandene und später verbreitete Zerrbild nicht zutrifft, muss es für seine Entstehung doch Gründe gegeben haben. Auffallend ist gerade bei Sigismund, dass sich dieses in der Geschichtsschreibung sämtlicher europäischer Länder findet, und nicht etwa nur im Königreich Böhmen, wo Sigismunds späteres Ansehen wegen Jan Hus und den Hussitenkriege belastet war. Auch in den anderen Teilen des Heiligen Römischen Reiches und im heutigen Frankreich setzte sich dieses Zerrbild von ihm durch. Merkwürdig ist, dass sich weder in seinem Königreich Ungarn, noch in den Staaten im heutigen Italien und auch nicht in Spanien oder England eine gute Erinnerung an ihn erhalten hat. (Im besten Fall wurde er halt nur vergessen.) Selbst in jenen Teilen des Heiligen Römischen Reiches, wo er zu seinen Lebzeiten offensichtlich eine gute Presse hatte und / oder die von seiner Politik profitiert haben, hat sich langfristig keine positiv besetzte Sigismund-Tradition ausgebildet.Es entsteht der Eindruck, dass sich sämtliche europäische Länder, in deren Geschichte Sigismund vorkommt, bei einer negativen oder eher negativen Wertung einig waren. Warum eigentlich? Dies ist umso bemerkenswerter, als Sigismund nie wirklich vergessen wurde - für die Nachwelt blieb seine Figur stets mit dem Konzil von Konstanz und den Hussitenkriegen verbunden, und das stimmt umso nachdenklicher, als bei Sigismund noch dazu sämtliche Faktoren wegfallen, die gewöhnlich als Erklärung für eine Fehleinschätzung durch spätere Generationen dienen können:- Sigismunds Dynastie setzte sich zunächst noch einige Jahre über die weibliche Linie fort und ging keineswegs sofort in der Dynastie seines Schwiegersohnes auf, wie dies in anderen vergleichbaren Fällen beobachtet werden kann.- eine wirkliche "Damnatio Memoriae" zu seiner Person lässt sich nicht nachweisen,- mit Eberhard Windeck(e) hatte Sigismund mindestens einen zeitgenössischen Chronisten, bei dem er sehr gut wegkommt und der im 18. Jahrhundert noch bekannt oder wieder bekannt war. Doch nicht nur bei Windeck(e) kommt Sigismund gut weg, auch andere Chroniken (besonders im Raum Schwaben), wenn auch mit mancher Einschränkung vermitteln ein positives Bild des Herrschers,- Sigismund war zudem ein Mensch, der sich auf Öffentlichkeit verstand, der seine Leistungen zu Lebzeiten publik machte und der sich entsprechend inszenierte ...Da ist die Frage, warum erst Wilhelm Baum Sigismund als den angeblich bedeutendsten Herrscher des Spätmittelalters entdecken konnte, mehr als berechtigt, und gerade sie lässt Baum in der Biographie unbeantwortet.Insgesamt entsteht für mich der Eindruck, dass Wilhelm Baum alles, was nicht zu seinem "großartigen" Sigismund-Bild passt, ausklammert oder sich zurechtbiegt. Das aber beeinträchtigt die Objektivität und Seriösität seines (wissenschaftlich fundierten) Buches wesentlich. Letztlich überzeugen mich seine Ergebnisse nicht wirklich. Sie sind zu einseitig. Zu viele Fragen sind offen, zu viele Widersprüche fallen auf, zu viele weitere Fragen ergeben sich, zu viele Fragen werden einfach ausgeklammert.Zu der Glaubwürdigkeit dieses Sigismund-Bildes trägt auch nicht bei, dass Baum für dieses andere historische Persönlichkeiten abwertet oder ihren (positiven) Anteil einfach auf Sigismund überträgt oder sie überhaupt weglässt.Dazu zwei Beispiele:- Wie jeder Herrscher hatte Sigismund Ratgeber, Kanzleien etc. Diese Personen werden bei Baum jedoch fast zur Gänze ausgeblendet, wodurch der Eindruck entsteht, dass Sigismund alles weitgehend im Alleingang geleistet hat.- Von den 5 Königen bzw. Kaiser und Gegenkönigen, die zwischen Karl IV. und Maximilian I. außer Sigismund belegt sind, qualifiziert Baum zwei seiner Vorgänger und zwei seiner Nachfolger, die er allerdings namentlich nicht direkt nennt, als unfähig ab und betont, wie viele Leistungen Sigismund im Unterschied zu ihnen angeblich erbracht hätte, wobei er aber nur Sigismunds Auftritte auf dem "internationalen" Parkett besonders hervorhebt und nicht etwa Leistungen, die die Reichspolitik betreffen, obwohl diese für die Beurteilung seiner Herrschaft über das Heilige Römische Reich doch relevanter gewesen wären. Ebenfalls unterschlägt er den Umstand, dass sich Sigismunds internationale Auftritte (Erfolge?) bzw. seine dortige Präsenz, die ihn von den "Versagern" Wenzel, Ruprecht, Albrecht II. und Friedrich III. so vorteilhaft unterscheiden soll, keineswegs über seine ganze Herrschaftszeit verteilt finden. Während die Englandreise 1416 auf Wunsch des Königreichs Frankreich für Sigismund noch eine große Ehre war, die ihm die Möglichkeit gab, sich als Diplomat und Vermittler (und Friedensstifter) zu präsentieren, durfte er z. B. die Verhandlungen zwischen dem französischen König und dem burgundischen Herzog, die 1435 zum Vertrag von Arras führten, nur mehr mit seiner Anwesenheit beehren. Vergleicht man Sigismunds Romzug in den 1430er-Jahren mit dem von Friedrich III. in den 1450er-Jahren, der zumindest in der älteren und in der populärwissenschaftlichen Sekundärliteratur sehr abfällig beurteilt wird, ist auffallend, dass der von Sigismund bei einem (fairen) Vergleich wesentlich blamabler ausfällt.Für eine zuverlässigen Vergleich für Sigismunds Herrschaft als König des HRR bietet sich eigentlich nur Friedrich III. an. Dass Wenzel, Ruprecht und Albrecht II. (der wegen seines Todes nicht einmal die Zeit hatte, die Herrschaft tatsächlich zu übernehmen) schon mit Blick auf ihre tatsächliche Herrschaftsdauer als König bzw. Gegenkönig des HRR für einen seriösen Vergleich mit Sigismund unpassend sind, wird von Baum ebenfalls ausgeblendet. Sigismund war nun einmal ca. 27 Jahre lang und trotz Krisen recht unangefochten der deutsch-römische König bzw. der Kaiser, er hatte zudem gegenüber Wenzel (und wohl auch gegenüber Friedrich III.) den Vorteil, dass er in diese Position zu einem Zeitpunkt gelangte, als er bereits ein höheres Alter erreicht hatte und über mehr als zwanzigjährige (praktische) Erfahrung als Politiker (mit Herrschaften, die über die Landesgrenzen hinausreichten) verfügte. Da er die Position des Königs / Kaisers zuvor seit vielen Jahren selbst angestrebt hatte, hatte er auch die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten.Bei Wenzel und Ruprecht kommen Probleme (Gegenkönig, Absetzung bzw. umstrittene Anerkennung als König) dazu, die Sigismund während seiner Regierung erspart blieben. Daneben werde ich den Eindruck nicht los, dass Wenzel und Ruprecht ohne Sigismund besser dran gewesen wären und dass Sigismunds eigene Machtpolitik wesentlich daran schuld war, dass Wenzel letztlich nicht wirklich etwas gegen seine Absetzung unternehmen konnte. Friedrich III. (und wohl bereits Albrecht II.) "erbten" von Sigismund enorme Schulden und mit dem Heiligen Römischen Reich eine Königswürde, deren tatsächliches Ansehen und Machtposition, nicht zuletzt als Folge von Sigismunds Machtpolitik schwer angeschlagen war. Im Vergleich zu Wenzel und Ruprecht, auch zu Albrecht und Friedrich, hatte es Sigismund ganz gut, wenigstens hatte er nie sich selbst oder die Folgen seiner eigenen Politik zu bewältigen.Bei einem fairen Vergleich zu der Ausgangslage, als Sigismund deutsch-römischer König wurde, mit der von Friedrich III. fällt auf, dass Sigismunds Situation sicher schwierig war. Dass er aber bei seinem Tod das Reich und die Position des Königs / Kaisers in einem noch schlechteren Zustand hinterließ, als er sie bei seinem Regierungsantritt vorgefunden hatte, ist ein Fakt, den Baum völlig ausblendet. (Im Vergleich zu der Ruine, die das Heilige Römische Reich gewesen sein dürfte, als Sigismund starb, hinterließ Friedrich zum Beispiel seinem Nachfolger Maximilian I. das Reich und die Königs- bzw. Kaiserwürde (und auch die eigene Hausmacht) in einem deutlich besseren und stabileren Zustand, als er alles übernommen hatte. Der angeblich "bettelarme" Friedrich war zum Zeitpunkt seines Todes im Gegensatz zum "steinreichen" Sigismund auch keineswegs hoffnungslos verschuldet.)Selbst die Idee von Baum, Sigismund zum Begründer der Donaumonarchie zu erklären, oder ihn dadurch aufzuwerten, dass seine Judenpolitik angeblich sehr fortschrittlich und relativ human war, überzeugt nicht.- Abgesehen davon, dass ich diese (angeblich neue) Erkenntnis mit Sigismund als "Begründer" der Donaumonarchie bereits in einigen historischen Romanen bzw. Erzählungen aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gefunden habe, hatte z. B. bereits König Albrecht I., einer von Sigismunds Vorgängern, solche Pläne zu verwirklichen versucht. (Sein Erfolg war letztlich ebenso wenig von Dauer wie der von Sigismund.)- In der Judenpolitik wiederum hat ein anderer Vorgänger wie z. B. Ludwig der Bayer im Vergleich zu Sigismund eindeutig mehr (und darunter auch viel Positives) geleistet. Bei Sigismunds Nachfolger Friedrich III. finden wir im Unterschied zu Sigismund immerhin einige, wenn gleich wenige Fälle, wo nicht ersichtlich ist, welchen tatsächlichen Profit Friedrich III. dabei gehabt hat.Das Bild, das Baum von Sigismund zeichnet, wirkt auf mich recht hanebüchen. Um es zu schaffen, muss Baum immer wieder etwas zurechtbiegen, muss er Fakten weglassen, zieht er Vergleiche, bei denen der Maßstab unzulässig ist, wertet er Sigismunds Umfeld ab etc. Damit sein Sigismund-Bild vom letzten bedeutenden Kaiser des Spätmittelalters und großem Staatsmann überhaupt möglich ist, sind reichen für seine Darstellung belegte Fakten alleine und ihre Präsentation nicht aus. Baum muss da nachhelfen. Eine seriöse Arbeit sollte die von ihm angewandten Methoden aber wirklich nicht nötig haben.Vermutlich wäre Baums Sigismund-Biographie überzeugender gewesen, wenn er sich mit einer fairen und ausgewogenen Darstellung begnügt hätte. Denn auffallend ist für mich auch, dass ich kaum eine wissenschaftliche Biographie aus dem zweiten Drittel des 20. oder aus dem 21. Jahrhundert gelesen haben, wo der Biographierte mir einerseits so widerwärtig war, und das gerade, obwohl mir doch der Biograph weismachen will, was für ein großartiger und toller Herrscher der war. Baum schreibt von Sigismunds "düsterer Faszination" und "dunkler Größe", diese war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.Da ich inzwischen einige Aufsätze zu Sigismund gelesen habe, die nicht von Wilhelm Baum sind und wo ich Sigismund als Mensch und Politiker sehr interessant fand, muss Baum mit seiner Biographie sehr vieles falsch gemacht haben. (Und sonderbarerweise kam Sigismund in diesen Aufsätzen wesentlich schlechter weg als bei Baum.)Die Biographie mag Meriten haben, die ich nicht erkannt habe, sie mag vielleicht als Lesestoff zur Berieselung taugen, als seriöse Biographie mit wissenschaftlichen Anspruch kann ich sie wirklich nicht weiterempfehlen.